Wohnen für Hilfe: Zusammen ist man weniger allein

8.12.2022 Landkreis Unterallgäu. Ältere Menschen möchten auch bei Hilfebedarf am liebsten im eigenen Zuhause wohnen bleiben. Das hat eine Befragung der Seniorinnen und Senioren im Landkreis Unterallgäu ergeben. Doch was, wenn ihnen das Netzwerk fehlt, das unterstützen könnte? Was, wenn das Haus viel zu groß ist, um alles alleine zu schaffen?

Wer hilft beim Putzen, im Garten und beim Einkaufen oder leistet einfach mal Gesellschaft? Eine Lösung kann „Wohnen für Hilfe“ sein. Darauf weist Seniorenkonzept-Koordinator Hubert Plepla vom Landratsamt Unterallgäu hin.

„Gerade in ländlichen Regionen leben ältere und hilfsbedürftige Menschen in oftmals viel zu großen Häusern und die anstehenden Aufgaben wachsen ihnen über den Kopf“, sagt Plepla. „Da kann eine Wohnpatenschaft sehr gewinnbringend für die Bewältigung des Alltags sein.“ Wohnen für Hilfe bedeutet, dass alleinlebende ältere Menschen ungenutzten Wohnraum kostengünstig zur Verfügung stellen und dafür Unterstützung von ihren Mitbewohnern bekommen. Davon profitieren nicht nur die Seniorinnen und Senioren, sondern auch Menschen mit geringem Einkommen. „Viele können sich keine teure Wohnung leisten, sind aber durchaus bereit, Hilfestellung im Alltag zu geben“, sagt der Seniorenkonzept-Koordinator.

Auch für Auszubildende kann Wohnen für Hilfe eine gute Lösung sein. Das bestätigt Michael Dodel, der das Projekt mit auf den Weg gebracht hat. Er ist Schulleiter der Sebastian-Kneipp-Schule, einer Berufsfachschule für Physiotherapie und Massage in Bad Wörishofen: „Unsere Schülerinnen und Schüler bringen alle ein enormes soziales Engagement mit und benötigen während der Ausbildungszeit kostengünstige Unterkünfte. Da kann diese Wohnform für beide Seiten ein Gewinn sein.“

Ein ausführliches Kennenlernen und gute Absprachen sind im Vorhinein unbedingt nötig, erklärt Hubert Plepla. „Wichtig ist grundsätzlich, dass sich Wohnraumgeber und Wohnraumnehmer sympathisch sind und sich gut verstehen. Schließlich soll eine tragfähige Beziehung und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden.“ Klar sollte auch sein: Die Mitbewohner unterstützen bei alltäglichen Arbeiten und begleiten zu Arztbesuchen oder Veranstaltungen, leisten jedoch keine pflegerische oder medizinische Hilfe.

Viele weitere Informationen rund um das Thema hat Plepla auf der Homepage des Landratsamts unter www.unterallgaeu.de/seniorenkonzept (Projekte) zusammengestellt. So finden Seniorinnen und Senioren sowie deren Angehörige dort eine Checkliste und einen Fragebogen mit allem, was man beachten und bei den potenziellen Wohnraumnehmern abfragen sollte. Wird das gemeinsame Wohnen konkret, kann man auf der Seite auch eine vorgefertigte sogenannte Wohnraumüberlassungsvereinbarung herunterladen.

Zudem können sich potenzielle Wohnraumgeber, also Menschen, die Wohnraum zur Verfügung haben und Hilfeleistungen benötigen, für eine Beratung an Hubert Plepla von der Koordinationsstelle Seniorenkonzept wenden unter Telefon (08261) 995-457 oder per E-Mail an hubert.plepla(at)lra.unterallgaeu.de

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