Rege Beteiligung an den Infotagen „Zukunft Morisse“ – Wie Füssen das Areal umgestalten will

7.10.2021 Füssen/Ostallgäu. Was soll aus der Morisse und der Inneren Kemptner Straße werden? Soll das Areal überhaupt verändert werden? Welche Nutzungen wünschen sich die Füssener dort? Um Fragen wie diese zu klären, beteiligt die Stadt Füssen seit dem Frühjahr die Öffentlichkeit über mehrere Wege – zuletzt bei den Infotagen „Zukunft Morisse“.

„Wir wollten mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen, deren Ortskenntnis nutzen und ihre Wünsche in Erfahrung bringen“, fasst Bürgermeister Maximilian Eichstetter die Ziele der Veranstaltung zusammen. Und die Bürger nutzten das Angebot:

Ca. 120 Füssener informierten sich und brachten Anregungen, Hinweise und Vorschläge vor.

Die städtebauliche Beraterin und Stadtplanerin Annegret Michler (Die Stadtentwickler GmbH) und das Team von „Bauwärts“ unterstützen die Stadt fachlich bei der Entwicklung des Areals und waren bei den Infotagen „Zukunft Morisse“ anwesend, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Im Folgenden ein Überblick über die Themen, die den Bürgern wichtig sind.

Verkehr

Bei nahezu allen Besuchern herrschte Einigkeit, dass der Individualverkehr in der Innenstadt reduziert werden müsse und differenzierte Lösungen für das Parken gefunden werden müssten. Dabei müsse unterschieden werden zwischen touristischem Verkehr, der weit vor der Innenstadt abgefangen werden müsse, der Möglichkeit für Kunden, die Innenstadt zu erreichen, sowie dem Angebot dauerhafter Stellplätze für Bewohner und Beschäftigte in der Innenstadt. Nahezu alle Gesprächspartner halten ein Shuttleangebot in die Innenstadt und ggf. weiter zu den Schlössern für einen erfolgsversprechenden Ansatz.

Bebauung

Häufig wurde der Wunsch geäußert, dass die Sicht zum Hohen Schloss sowie zum Felsdurchbruch nach Bad Faulenbach durch eine Bebauung nicht gestört werden dürfe. Mit der Idee, dass auf der Morisse ein Quartier mit öffentlicher Grünfläche und einem kompakten Quartiersplatz mit sozialer Infrastruktur und Café entstehen könnte, konnte sich die große Mehrheit der Bürger anfreunden. Die Schaffung von mehr Einzelhandel dagegen lehnten die allermeistern Bürger als nicht notwendig ab.

Viele Befragte thematisierten generationenübergreifende Konzepte und Einrichtungen sowie Servicestrukturen für ältere Bürger. Auch für bürgerschaftliche Aktivitäten, Soziokultur und Vereine scheint Raumbedarf zu bestehen. Junge Füssener wünschten sich etwa Gemeinschaftsbeete und Urban-Gardening-Projekte für Familien.

Wohnraum

Sorge bereitet vielen die Entwicklung des Wohnungsmarktes und insbesondere die Konkurrenz zu Zweitwohnungen. Günstiger Wohnraum für Alleinstehende, junge Familien und die ältere Generation war in vielen Gesprächen ein Diskussionspunkt.

Umgestaltung Kemptener Straße

Eine Umgestaltung und Verkehrsberuhigung der Kemptner Straße begrüßten sämtliche Bürger. Viele wünschen sich einen attraktiven Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität, der Platz für Märkte, Kulturveranstaltungen, Gastronomie aber vor allem Begegnung und Naherholung bietet und dennoch die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto nicht einschränkt.

Eichstetter zeigte sich beeindruckt von der regen Beteiligung der Füssener Bürger und dankte für die vielen konstruktiven Vorschläge. Mit Blick auf die Vorschläge die Innere Kemptener Straße betreffend, will der Rathauschef nun dem Stadtrat vorschlagen, hier nach schnellen – vielleicht auch erstmal nur provisorischen – Lösungen zu suchen.

„Die Stadt will auf der Morisse weder alles zubauen, noch den vorhandenen und wichtigen Geschäftsbesatz der Altstadt gefährden oder gar die wichtigen innenstadtnahen Parkplätze ersatzlos aufgeben.“
Bürgermeister Maximilian Eichstetter

Dies klarzustellen war Eichstetter wichtig, nachdem derartige Befürchtungen in letzter Zeit immer wieder in Leserbriefen geäußert wurden. „All dies war und ist nicht beabsichtigt! Im Gegenteil: Genau das soll verhindert werden.“ Letztlich gehe es darum, die angrenzende Innenstadt durch eine nachhaltige und zielgerichtete Umgestaltung der Morisse vor allem für die Einheimischen zu stärken. „Die vielen tollen Anregungen bestätigen die Stadt, diesen Weg fortzusetzen.“

Eckpunkte für die Entwicklung des Morisse-Areals

Das Areal hat eine zentrale und strategisch wertvolle Lage am Rand der Innenstadt.

Mit der Bebauung soll eine qualitativ hochwertige Ergänzung zur Innenstadt entstehen.

Die Fläche ist im Besitz der Stadt. Die damit verbundenen Gestaltungspotentiale sollen für eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung genutzt werden.

Das neue Quartier soll den aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung gerecht werden: Klimawandel, Nachhaltigkeit, Mobilität, kostengünstiges Wohnen, Gemeinwohlorientierung, Freiflächen, etc.

Es soll ein integriertes Quartier für alle Generationen entstehen mit bezahlbarem Wohnraum, sozialer Infrastruktur, Orten für Gemeinschaft und attraktiven Freiflächen.

Eine Neuordnung des Parkens ist erforderlich zeitlich begrenzt für Besucher und Kunden der Geschäfte in der Innenstadt unter dem Morisse-Areal.

dauerhaft für Anwohner und Mitarbeiter von Firmen in der Innenstadt (Quartiersgarage) unter dem Morisse-Areal.

dezentral für Touristen am Stadtrand, z.B. auf dem Festplatz und am Festspielhaus usw.

Die Entwicklung soll von einem stadtweiten Mobilitätskonzept flankiert werden.

Verkehrshubs am Stadtrand können den Touristenverkehr (Busse und PKW) auffangen und auf ein innerstädtisches Shuttle-System umleiten.

Die Kemptener Straße soll als attraktiver Stadtraum mit Aufenthaltsfunktion das Morisse-Areal mit der Innenstadt verbinden. Die Umgestaltung kann als vorgezogene Maßnahme in Angriff genommen werden.

Die Stadt hat mit dem Beteiligungsverfahren einen offenen Entwicklungsprozess im Dialog mit der Bürgerschaft initiiert. Ein städtebaulicher Wettbewerb soll im nächsten Schritt die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.

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