Kinderfest Lindau 2021 abgesagt!

2.3.2021 Lindau (Bodensee). „Auch im Sommer 2021 wird uns Corona vor schwierige Aufgaben stellen“, warnt Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons. Dies heiße: „Wir müssen uns auf einen möglichen Besucheransturm auf der Insel vorbereiten und genau hinschauen, welche Veranstaltungen und Angebote möglich sind.“

Die Vorsitzenden und Geschäftsführer der Kinderfestausschüsse haben bereits auf das Infektionsgeschehen reagiert und das Kinderfest für das Jahr 2021 abgesagt.

„Die Entscheidung ist niemand leichtgefallen“, sagt Birgit Russ, bei der Stadt Lindau verantwortlich für das Kinderfest. Allerdings fiel sie in einer Videokonferenz einstimmig.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann man zwar noch nicht sagen, wie sich das Infektionsgeschehen rund um das Coronavirus entwickeln wird. Was wir jedeoch jetzt schon wissen, dass wir keinen Festumzug mit Festakt auf der Insel und vor dem Alten Rathaus in gewohnter Form stattfinden lassen können. Wir haben hier gut 1.800 Kinder, Lehrer, Musiker auf dem Platz. Dazu kommen die Zuschauer in den Straßen und Gassen sowie die Gäste auf der Treppe. Unser gesunder Menschenverstand sagt uns, dass wir das nicht so durchführen können“, begründet sie die Entscheidung der ehrenamtlich Verantwortlichen.

„Wir müssten nun mit der Planung beginnen, daher haben wir uns auch schon für diesen frühen Termin der Absage entschieden, um keine Arbeitskraft der vielen Ehrenamtlichen zu verschwenden oder unnötig finanzielle Mittel zu binden“, so Russ weiter. Zumal sich in allen bislang bekannten Öffnungszenarien nirgendwo abzeichne, dass eine Veranstaltung in dieser Größenordnung mit so vielen Menschen möglich sein könnte.

Da das Kinderfest fest mit Tradition verwurzelt sei, waren sich die Geschäftsführer und Vorsitzenden auch einig, dass sie keine „Light“-Version anbieten wollten, um so durch das Hintertürchen doch eine Art Fest zu veranstalten. „Nichtsdestotrotz wird es für die Kinder auch in diesem Jahr wieder eine Butschelle geben. Wie, wo, was genau, das planen wir noch“, so Alfons und Russ unisono.

Für die Oberbürgermeisterin ist die Absage doppelt bitter. „Ich hatte natürlich gehofft, in diesem Jahr erstmals das Kinderfest mit allen Lindauerinnen und Lindauern, vor allem mit den Kindern ganz traditionell feiern zu dürfen.“

Stadt kann nur unterstützen

Statt zu feiern, geht es jetzt verstärkt ans Arbeiten. Denn auch für die kommende Urlaubssaison scheint es wahrscheinlich, dass der Trend zum Inlandsurlaub bleibt und Lindau sich ungebrochener Beliebtheit bei Ausflüglern und Urlaubern erfreut.

„Ich habe deshalb eine ständige Corona-Vernetzungsgruppe initiiert. Sie soll vor allem der Kommunikation und Abstimmung dienen“, so Alfons. Verantwortlich für den Gesundheitsschutz ist in Lindau das Landratsamt. Die Stadt kann also nur unterstützend tätig werden.

Zu den Schutzmaßnahmen werden auch das Kulturamt und das Gartenschauteam beitragen. So werden im Kunstmuseum am Bahnhof stets nur eine beschränkte Anzahl Besucherinnen und Besucher die Werke von Marc Chagall bewundern können.

„Wir werden dies über das Ticketsystem steuern. Dabei sind wir natürlich immer in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden“, sagt Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn. Zudem habe er rechtzeitig in ein Lüftungssystem investiert, sodass der Ausstellungsbesuch, vermutlich mit Masken, möglich sei.

Die Veranstaltungen auf der Gartenschau werden ebenfalls an die veränderte Situation angepasst, wie Geschäftsführerin Claudia Knoll erläutert:

„Wir stellen uns darauf ein, dass wir nur eine begrenzte Zahl an Besuchern auf das Gelände lassen dürfen – da brauchen wir technische Systeme, die den Besuchern sagen, wann das Gelände für sie wieder bereit ist.“

Sie verweist darauf, dass in vergangenem Jahr die Gartenschau in Kamp-Lintfort stattgefunden hat. „Bei uns findet alles unter freiem Himmel statt. Aber natürlich müssen wir darauf achten, dass Abstände eingehalten werden, eventuell führen wir die Besucher mit einem Einbahnsystem durch die Ausstellung.“

Veranstaltungen auf der Gartenschau eingeschränkt

Zudem wird es keine Veranstaltungen mit Reihenbestuhlung vor der Bühne geben. Dafür bekommen regionale Künstler eine Auftrittsmöglichkeit. Sie werden in kurzen Sequenzen dabei sein, sodass Besucher sich nicht längere Zeit an einem Ort aufhalten.

Der Bühnenstandort wird nicht so präsent sein, wie ursprünglich geplant. Stattdessen sollen andere Orte auf dem Gelände, wie die Schanzen, genutzt werden, damit sich die Veranstaltungen im Gelände verteilen.

„Von Vorteil ist sicher auch, dass in Kamp-Lintfort bereits Erfahrungen unter Corona-Bedingungen gesammelt wurden“, so Knoll, die klarstellt:

„Selbstverständlich geht die Gesundheit der Besucher und aller Beteiligten vor. Wir werden deshalb die Obergrenzen sicher nicht komplett ausschöpfen.“

In der Stadtratssitzung Ende März soll es dazu weitere Informationen geben.

Alfons mahnt zu Vernunft

Alfons mahnt zur Vorsicht und will von Tag zu Tag sehen, „was möglich ist“. Die Oberbürgermeisterin gibt zu, dass in ihrer Brust zwei Herzen schlagen.

„Natürlich sehnen wir uns alle nach einem unbeschwerten und geselligen Sommer; auch ich möchte am liebsten alle unsere schönen Feste feiern. Aber wir wollen keinesfalls zum Corona-Hotspot werden. Daher müssen wir uns diesen Sommer von Vernunft und Selbstbeherrschung leiten lassen.“

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